Wie der Wohnpark am Wiesenkamp Gestalt gewann
Initiative – Planung – Entwicklung – Bau und Inbetriebnahmef

  Aus der Jubiläumsschrift Residenz am Wiesenkamp 2013
  Ein Beitrag von Horst Franke


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Der Krankenhausneubau für das 1941entstandene und von Diakonissen in Hamburg-Volksdorf betriebene Amalie Sieveking Krankenhaus hatte am 6.4.1973 nach langen Verzögerungen und Beeinträchtigungen seinen Betrieb endlich aufnehmen können. Damit ergaben sich für den bisherigen Rechtsträger, den Kirchlichen Verein für weibliche Diakonie in Hamburg e.V. nun erhebliche Restrukturierungs- und Sanierungsmaßnahmen für seine jetzt leerstehenden Altgebäude. Sie wurden zügig in Angriff genommen, zumal die ev. luth. Kirche im Hamburgischen Staate dafür noch erhebliche Finanzierungsmittel hatte bereitstellen können

Das älteste der drei Krankenhausgebäude, das 1934 gebaute Gartenhaus mit seinen 20 Plätzen wurde zunächst in Angriff genommen. Es konnte rasch seiner ursprünglichen Nutzung als Erholungsheim in den Walddörfern wieder zugänglich gemacht werden und diente nach seiner Sanierung zuerst der Kurz- und Langzeitpflege für körperbehinderte Kinder, danach der Betreuung gebrechlicher alter Menschen und schließlich der Versorgung von Feierabendschwestern, die ihren Lebensabend im Wesentlichen noch selbst gestalten konnten. Nach 18 Jahren, als der Bau des Wohnparks im Frühjahr 1991 begann, musste es weichen und wurde abgerissen.

wiesenkamp 02 01Abb. links: Gartenhaus
Als Erholungsheim für Bewohner aus dem Gängeviertel der Innenstadt 1934 erbaut, von 1941-1973 als vorwiegend internistische Station des Amalie Sieveking-Krankenhauses genutzt. Von 1973-1991 multifunktional zur Kurzzeitpflege von Behinderten und zur stationären Altenpflege genutzt. Im Frühjahr 1991 wegen des Baus des Wohnparks am Wiesenkamp abgebrochen.

Das 1953 als erster Erweiterungsbau des alten Amalie Sieveking Krankenhauses eingeweihte Richard Remé-Haus, konnte vor seiner Inbetriebnahme als Innere Abteilung zum Deutschen Evangelischen Kirchentag 1953 in Hamburg noch als Herberge für Besucher aus der damaligen DDR dienen, die unmittelbar nach dem Volksaufstand am 17. Juni 1953 trotz aller Widrigkeiten hatten teilnehmen dürfen. Danach wurde das Haus als Innere Abteilung mit 56 Betten in Betrieb genommen.
Nach seinem Leerstand 1973 wurde das Richard Remé-Haus als erste Hamburger Einrichtung für geriatrische Rehabilitation umgestaltet. Heute dient das Haus nach weiteren Umgestaltungen und Erweiterungen als Klinik für Geriatrie.

wiesenkamp 02 02Abb. rechts: Das Theodor Fliedner-Haus vor der Sanierung im Vordergrund. Im Mittelgrund das Schwesternhaus (Olga Brösen-Haus). Im Hintergrund das Richard Remé-Haus (Die Zufahrt erfolgte bis 1969 von der Farmsener Landstraße aus).

Nach einem umfassenden Umbau, der mit der Aufstockung eines voll nutzbaren Dachgeschosses verbunden war, konnte das Theodor Fliedner Haus zunächst als Feierabendhaus II eingerichtet werden, um der steigende Zahl von inaktiven Diakonissen angemessenen Wohnraum zu bieten.

Schon nach wenigen Jahren zeigte sich, dass die Entwicklung neuzeitlicher Wohn- und Betreuungsformen auf längere Frist andere Nutzungen des Hauses erforderlich machten. Es zeigte sich zudem, dass die gesellschaftlichen Veränderungen und die damit einher gehende demographische Entwicklung in den Jahrzehnten seit dem Kriegsende auch die Wohnbedürfnisse und Ansprüche der Bevölkerung derart geändert hatten, dass Lösungen, die dem sozialen Wohnungsbau vergleichbar waren, für eine langfristige Nutzungs-und Bedarfsplanung nicht mehr angemessen sein konnten.

Hinzu kamen neue Planungs- und Bauerkenntnisse für behindertengerechte Wohn- und Bauformen und neue Baunormen , die zu berücksichtigen waren; Planungen und Maßstäbe mussten sich für die Zukunft aber nicht nur den geänderten Bestimmungen, sondern vor allem den Wünschen, Bedarfen und Bedürfnissen zukünftiger Nutzer möglichst ideal anpassen können.

Mitte der 8oger Jahren stellte sich in Volksdorf und den Walddörfern zudem heraus, dass wegen des Fehlens geeigneter Plätze in alten- und behindertengerecht gebauten Einrichtungen eine Abwanderung ältere und betagter Menschen in die benachbarten Rosenhöfe nach Großhansdorf und Ahrensburg einsetzte. Das bedeutete für den Vorstand des Kirchlichen Vereins nach den Erfahrungen des vergangenen Jahrzehnts, nach Mitteln und Wegen zu suchen sein großräumiges Grundstücksareal einer weitsichtigen, auf Jahre hinaus langfristig nutzbaren Lösung zugänglich zu machen. Dabei war ausschlaggebend, eine Bebauung zu ermöglichen, die optimale Wohn- und Betreuungsformen zuließ, die darauf gerichtet waren, älteren, betagten und behinderten Bewohnern Volksdorfs und der Walddörfer ihre Sozialisation weitestgehend im angestammten Umfeld zu erhalten.

Intensive Überlegungen im Vorstand begannen. P. Schatte, Vorstandsvorsitzender des Kirchlichen Vereins und Rektor des Mutterhauses von 1968-1988, die Oberin, Karsten Weber, ein unternehmerisch tätiges Kuratoriumsmitglied, unser Architekt, Titus Felixmüller, und ich als Verwaltungsleiter und Schatzmeister des Vereins beratschlagten, berieten, verwarfen Planungen, führten unterschiedliche Verhandlungen mit Investoren und überlegten, welche Grundstücksteile geeignet seien, einer weitsichtige Lösung Raum zu geben. Auch das zuständige nordelbische Landeskirchenamt Kiel wurde konsultiert Die Antwort der dort zuständigen Ansprechpartner war kurz, klar und ernüchternd. Sie verwiesen auf unseren Grundbesitz und meinten, man könne einen Teil davon veräußern, um unser Vorhaben umzusetzen. Diese Aussage bedeutete, wir sollten uns selbst helfen.

Wir zögerten nicht, suchten erneut und noch intensiver nach einem Investor und fanden nach kurzer Zeit mit Hilfe unseres Architekten die Berliner “Rentaco Finanz- und Boden Holding", die bereit war, das Objekt zu finanzieren, zu bauen und nach seiner Fertigstellung mit dem Kirchlichen Verein als Gesellschafter zu betreiben.

Notwendige Liegenschafts- und Baurechtsfragen konnten mit den beteiligten Partnern verhältnismäßig rasch und zügig geklärt werden, zumal das Gesamtgelände für soziale Zwecke vorbehalten und ausgewiesen war. Zwischenzeitlich hatte Felixmüller eine mehrteilig gegliederte alten- und behinderte gerechte Wohnanlage entworfen, die mit 244 Wohnungen und 43 Pflegeeinheiten allen erkennbaren und zu erwartenden zukünftigen Bedarfen würde gerecht werden können. Vorstand und Architekt hatten die Unterlagen zur Bauprüfung und zur Genehmigung eingereicht, die Baugenehmigung war erteilt worden, als sich eine unerwartete Schwierigkeit ergab. Sie bestand darin, dass der Eigentümer von Rentaco nur mit seinem eigenen Hausarchitekten bauen wollte.

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Abb.: Das Entwurfsmodell (1991)

Weitere Verhandlungen waren die Folge! Es gelang uns, unter Hinweis auf die bereits erteilte Baugenehmigung unseren Architekten zu bewegen, nach Leistung einer angemessenen Abstandszahlung auf die eigene Durchführung und Bauaufsicht zu verzichten. Rentaco nahm in Abstimmung mit dem Kirchlichen Verein noch einige planerische Änderungen vor und die Verwirklichung des Baus, dessen Eigentümer die Hamburg Mannheimer Versicherungs AG ist, konnte im Frühjahr 1991 beginnen.

Abstimmungen, wie das aus den Liegenschaften herausgemessene Grundstück über die vorhandenen Zuwegungen für Baufahrzeuge, Krantransporte und Schwertransporte zugänglich gemacht werden könnten, waren zwischenzeitlich erfolgt.

Nachdem wir wussten, dass die vor allem im mittel- und süddeutschen Raum tätige Walter Bau AG die Generalunternehmerschaft übernommen hatte, wurde mitgeteilt, dass Walter Bau die Erd-, Beton-, Maurer- und viele andere ergänzende Bauarbeiten und Tätigkeiten an zwei mittelosteuropäische Subunternehmer aus Ungarn und der CSR vergeben hatte, die ihre eigenen Handwerker, samt Küchenpersonal mitbringen würden. Also galt es zunächst geeignete Unterbringungsmöglichkeiten zu schaffen. Auch zwei „nationale“ Baubüros mussten auf dem Gelände untergebracht werden.

In Absprache mit dem Vorstand des Krankenhausvereins entstanden am nördlichen Rand des Baugeländes auf dem Krankenhausareal zwei Container Unterkünfte, mit allem, was dazu gehört, um eine große Anzahl ausländischer Bauleute und den „Tross“ unterzubringen und angemessen zu beherbergen. Der Zugang zu diesen Wohncontainern war über den Verbindungsweg zwischen dem Krankenhaus- und dem Mutterhausgelände möglich. Die beiden Baubüros erhielten Standorte im Zufahrtbereich zum Gelände des Kirchlichen Vereins.

Nachdem dieser Aufbau erfolgt war, vollzog sich „Hand in Hand“ der Rückbau verschiedener Ver- und Entsorgungsleitungen und die Vorbereitung des Baugeländes Mit dem Abbruch des Gartenhauses und der Beseitigung des Obst- und Blumengartens des Mutterhauses. Das schmerzte besonders die im Ruhestand lebenden Diakonissen, die diesen Garten zum Teil selbst mit angelegt und gestaltet hatten. Auch der Wäscherasen verschwand von einem Tag zum anderen.

Ungewöhnlich für die Mitarbeiterschaft des Kirchlichen Vereins, insbesondere für den technischen Dienst war, dass unsere tschechischen und ungarischen“ Gastarbeiter,“ die bisher zu Hause unter dem Einfluss des “Ostblocks“ gelebt und gearbeitet hatten mit einer geradezu bewundernswerten Arbeitslust „ans Werk“ gingen. Die zum Schichtdienst eingeteilten Arbeitsgruppen waren „vom Sonnenaufgang bis zu ihrem Niedergang“ und zuweilen noch bei Scheinwerferlicht tätig.

So konnte bereits im Juni die Grundsteinlegung erfolgen. In der Urkunde heißt es: „ Heute, am 25.Juni 1991 legen wir, die Hamburg Mannheimer Versicherungsgesellschaft AG, Hamburg, vertreten durch ihren Vorstandsvorsitzenden Klemens Wesselkock, die Rentaco AG, Berlin, vertreten durch ihren Vorstandsvorsitzenden Günter Hartwig, sowie der Kirchliche Verein für weibliche Diakonie in Hamburg e.V., vertreten durch seinen Vorstandsvorsitzenden Pastor Bernd Haasler, den Grundstein für das Wohnstift „Wohnpark am Wiesenkamp“. Dies geschieht in Anwesenheit von Prof. Egbert Kossak, Oberbaudirektor der Freien und Hansestadt Hamburg.

Wegen der Bedeutung dieser Grundsteinlegung für den Kirchlichen Verein und die Walddörfer haben wir die früher im Eingangsbereich ausgestellte Urkunde hier im Original abgedruckt, zumal sie auch Hinweise auf zeitgemäße Entwicklungen in Deutschland, in Osteuropa und im Nahen Osten enthält. Die Urkunde schließt „in der Hoffnung, dass dieses Haus mit seinen Einrichtungen die Wünsche und Erwartungen seiner Erbauer erfüllt – zum Wohle seiner Bewohner und der Freien und Hansestadt Hamburg“.

wiesenkamp 02 08Abb. rechts: Urkunde zur Grundsteinlegung am 25.6.91

Während der sommerlichen zielstrebig fortgesetzten Bautätigkeit auf den unterschiedlichen Baugründen - Haus 1-4 - hörten wir von den Polieren, dass die beiden nationalen Arbeitsteams nach mehrmonatiger Tätigkeit ausgewechselt werden sollten. Der Generalunternehmer hatte mit seinen Subunternehmern vereinbart, dass verschiedene Handwerkergruppen auf unserer Großbaustelle tätig werden sollten. Das war nicht nur aus bautechnischen Gründen nötig, sondern auch angesichts des Umbruchs im gesamten Einflussbereich des zerfallenden „Ostblocks“ eine weitsichtige unternehmerische Entscheidung.

Da die ausländischen Handwerker für ihre Tätigkeit und Leistungen in DM entlohnt wurden, konnten verschiedene tschechische und ungarische Bauleute unterschiedlicher Berufszweige tätig werden, was der Vielzahl der zu versorgenden Familien zu Hause auf diese Weise zugute kam. Lediglich die ausländischen Anleiter, Gruppenleiter und Poliere, die über Sprachkenntnisse verfügten, blieben während der gesamten Bauzeit auf ihren Posten.

Nachdem während des Sommers 1991 eine gewisse Distanz unserer „Gastarbeiter“, wegen der natürlichen Sprachschwierigkeiten, aber auch wegen ihrer politischen Zurückhaltung gewichen war hatte sich nun ein tägliches organisatorisches und arbeitstechnisches Miteinander ergeben. Es entwickelte sich zwischen der deutschen Bauleitung, den Leitungen der nationalen Baubüros und der Verwaltungsleitung des Kirchlichen Vereins ein offenes und verständnisvolles Gesprächsklima und Miteinander. Wir luden diese wichtige Arbeits- und Gesprächsgruppe verschiedentlich in das „Goldene Prag“ zum abendlichen Gespräch ein, wo wir nach des Tages Arbeit und Last uns nicht nur über technische Fragen und Probleme und die sichtbaren und unsichtbaren Baufortschritte, sondern auch über Land und Leute austauschen konnten. Diese entspannenden Gespräche im „Goldenen Prag“ trugen auch dazu bei, dass wir mehr über Herkunft und Ausbildung unserer ausländischen Mitarbeiter erfuhren. Das Gasthaus am Rande des Volksdorfer Waldes - inzwischen wurde es an der Eulenkrugstraße durch Wohnhäuser ersetzt - hatten wir ausgewählt, weil es seit Jahren von Prager Wirtsleuten betrieben wurde, einen guten Ruf hatte, und Gerichte bereitete, von denen wir wussten, dass sie unseren Gästen wohl bekommen würden.

Bei einer dieser abendlichen Einladungen erfuhren wir, dass zu Weihnachten 1991 ein erster großer Wechsel bevorstand, und dass mit Beginn des Neuen Jahres neue Baukolonnen aus Tschechien und Ungarn anreisen würden. Das brachte eine kleine Gruppe von Mitarbeiterinnen, Mitarbeitern und älteren Diakonissen auf die Idee, unseren fleißigen Gästen die Heimreise zu erleichtern, und jeden mit einem Mitbringsel von den Arbeitgebern aus Hamburg für die Familien zu Hause zu versorgen.

Rasch fanden sich einige von uns zusammen, um zu überlegen, was angemessen sei und was für Geschenke in Frage kämen, um den Familien zu Hause eine weihnachtliche Freude zu machen. Schokolade, Südfrüchte, Datteln, Feigen, Nürnberger Lebkuchen, Lübecker Marzipan und Weihnachtsgebäck waren schnell eingekauft, in Weihnachtsbeutel verpackt und mit Volksdorfer oder Hamburger Grußkarten versehen. Bald waren zwei zünftige alte, korbgeflochtene Wäschekörbe für Tschechien und Ungarn reichlich gefüllt. Am Tag der Heimreise postierten wir uns bei den Bussen, die damals noch recht „klapprig“ waren, bedankten uns mit Handschlag für ihre gute Arbeit und Leistungen, wünschten gute Heimreise und ein frohes Weihnachtsfest und winkten zum Abschied vom Gelände bis die Busse auf die Farmsener Landstraße einbogen.

Das Jahr 1992 brach an, neue Handwerker aus beiden Ländern kamen, bezogen ihre „Container“ richteten sich ein und machten sich ohne Umschweife nach entsprechender Einweisung an ihre Arbeit. Woche für Woche verging und Tag für Tag waren auf der weiträumigen Baustelle Fortschritte zu erkennen.

Die Monate gingen ins Land, die Häuser 1-4 wuchsen aus dem Boden und nahmen Gestalt an. Eines Tages standen die ersten Schwerlasttransporter auf dem Baugelände. Sie hatten eine lange Fahrt aus dem Saarland hinter sich. Ihre Ladung bestand aus vorgefertigten „Sanitärzellen“, damals eine bedeutsame Weiterentwicklung der Sanitärtechnik. Inzwischen hat sich die Sanitärtechnik so weit entwickelt, dass heute von Sanitärzellen nicht mehr gesprochen wird. Die Wohnungen in den verschiedenen Häusern wurden derart übereinander gebaut, dass Duschbäder und Toiletten geschossweise genau übereinander lagen, sodass sich vorgefertigte Bauteile leicht installieren ließen. Heute wissen wir, dass die Sanitärtechnik mit weitaus flexibleren Entwicklungen aufwarten kann! Je nach Baufortschritt der Gebäude 1-4 wurden die Schwertransporte aus dem Saarland wochenweise „abgerufen“, eingebaut und montiert.

Auch die Zufahrt zur Tiefgarage, die während des gesamten Baugeschehens noch erweitert worden war nahm Gestalt an.

So konnten wir 51 Wochen nach der Grundsteinlegung am 17.6. 1992 das Richtfest feierlich begehen. Ein weiterer bedeutsamer Bauabschnitt war erreicht. Ein festlicher Tag begann, der zünftig nach alter Tradition und Handwerkssitte begangen wurde. Das Gelände vor dem Küchentrakt war sauber hergerichtet, das Podium für die Richtrede und die nachfolgenden Ansprachen der Bauherrschaft, des Eigentümers, des Betreibers und von Staatsrat Kalff fein bereitet, und der bunte Richtkranz aufgezogen. Herr Usko, der leitende Polier hatte seine Richtrede nach altem Brauch „mit Gunst und Verlaub“ gehalten.

wiesenkamp 02 11Abb. links: Richtfest

Ich zitiere aus der Rede von Herrn Harwig, dem Vorsitzenden der Rentaco AG, Berlin und aus meiner Ansprache an die Bauleute, die Gäste, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Kirchlichen Vereins und des Amalie Sieveking-Krankenhauses. Auch manche wissbegierige Nachbarn und neugierige Passanten hatten sich eingefunden und hörten gespannt zu. „Vor genau einem Jahr, am 25. Juni 1991, hatten wir uns an gleicher Stelle zusammengefunden, um den Grundstein für das Seniorenwohnstift „Wohnpark am Wiesenkamp zu legen. Heute freue ich mich sie alle bei unserem Richtfest begrüßen zu können. Anders als bei der Grundsteinlegung, wo die ganze Zukunft eines neuen Bauwerks noch vor uns lag, ist ein Richtfest die Gelegenheit, bereits Dank zu sagen für die geleistete Arbeit. In allererster Linie möchte ich mich bei dem Investor, der Hamburg Mannheimer Versicherung für ihren unternehmerischen Schritt bedanken, in einem Marktsegment zu investieren, das zunehmend als sozialpolitisch und finanzpolitisch bedeutungsvoll eingestuft wird. Ein privat finanziertes Seniorenwohnstift ist ein Beitrag der Wirtschaft, auf sozialem Feld Probleme zu lösen, die zunehmend weder von der Familie noch vom Staat länger geleistet werden können. ...Dass ein Investor diesen Trend so frühzeitig erkannt hat, verdient Dank und Respekt.“.....Dank sagen möchte ich ebenfalls den Menschen am Bau, die mithelfen, dieses Projekt zu realisieren“

Ich zitiere auch aus meiner Ansprache, die sich in meinen ausgedünnten Unterlagen, über meinen Umzug in den Wohnpark am Wiesenkamp erhalten haben: Ich stellte sie unter ein Wort des berühmten Unternehmers und Verlegers Reinhard Mohn „Erfolg durch Partnerschaft“

„Liebe Bauleute, sehr geehrte Bauherrschaft, sehr geehrte Gäste. Wenige Minuten ist es her, seit uns Herr Usko nach altem Brauch „mit Gunst und Verlaub“ seinen Richtspruch für die neuen Häuser zugerufen hat. Wir haben auch den Richtkranz nach altem Handwerksbrauch hochgezogen. Für Herrn Uskos Richtrede und die guten Wünsche, die er den Bauten und denjenigen, die für Ihre Verwirklichung Verantwortung tragen, entrichtet hat, bin ich dankbar.

Nicht nur wegen der Einrichtung eines Bauplatzes auf einem schönen Gartengelände ist der Kirchliche Verein kritisiert worden, nein, auch wegen der Tatsache, dass wir einen leistungsfähigen Verbund zwischen Finanzkraft und Baumanagement gesucht haben, mussten wir uns schelten lassen. Dabei weiß doch fast jeder, dass heute Erfolg nur durch Partnerschaft zu erreichen ist“

„Deshalb möchte ich, als Mitglied des Vorstandes des Kirchlichen Vereins, an diesem besonderen Tag allen am Bau beteiligten Bauleuten und Handwerkern, den Planern und Financiers, vor allem auch den vielen Mitarbeitern aus Ungarn und der CSFR ganz herzlich für ihre Tüchtigkeit und Leitung danken. Die Kontinuität unserer Arbeit und die Idee hier eine leistungsfähige Einrichtung zur Betreuung alter und betagter Menschen durch eine möglichst umfassende Beziehungspflege zu errichten, hat den bisherigen Erfolg denk- und planbar gemacht. Auch dafür bin ich allen, die daran mit Bedacht, Geduld, Beharrlichkeit, handwerklichem Geschick und zähem unternehmerischen Willen mitgewirkt haben, dankbar......Nun liegt vor uns eine weitere planerische und unternehmerische Herausforderung, unsere Anlage auszubauen und für das Wohnen im Alter vorzubereiten. Hier gilt es, mannigfaltige Kommunikationen produktiv einzusetzen und wirksam zu machen.“

Doch ich will nicht vorgreifen, Lassen Sie uns den Tag genießen, den Tag, den der Herr macht. Lassen Sie uns darin freuen und fröhlich sein. So wünsche ich Ihnen allen und mir gute Begegnungen an diesem Nachmittag, die dazu dienen mögen, dass wir unser gemeinsames Vorhaben mit guten „Erfolg durch Partnerschaft“ ohne Unfall und Gefahr fortsetzen und zu einem gelungenen Abschluss bringen können.“

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Die Monate gingen ins Land. Eines Tages kamen die ersten Zimmerleute und richteten die Dächer, bald darauf waren sie eingedeckt. Wind und Wetter konnten nun den Handwerkern nichts mehr anhaben. Auch die Fassaden zeigten jetzt die typischen Backsteinfarben, die Innenarbeiten konnten zügig voran gebracht werden.

Da wir gemeinsam die Kücheneinrichtung geplant hatten, um eines Tages sicherzustellen, dass unterschiedlichen Küchen, auch die im Krankenhaus aufgegeben werden könnten, freuten wir uns über den hohen Standard der Einrichtungen, die alle auf dem Gelände bisher vorhandenen Kücheneinrichtungen weit übertrafen und in den Schatten stellten.

Nach und nach entstanden auch die Verbindungsgänge zu den einzelnen Wohnhäusern, hier und da kamen auch die ersten Erdarbeiten für das Grobplanum der Gartenanlagen in Gang. Ebenso wie die Bautechnik hatte sich auch der Erdbau im Verlaufe von 2o Jahren im Vergleich zu 19972/3 fortentwickelt, so dass die gestalterischen Fortschritte rasch und deutlich erkennbar waren.

Mit Beginn des Innenausbaus hatte auch der erste Rentaco-Geschäftsführer, Herr Friedrich, seine Tätigkeit aufgenommen. Von seinem Bürocontainer aus waren vielfältige Aufgaben zu koordinieren, dies umso mehr als er sich zunächst auch mit den Möglichkeiten und Gegebenheiten in Volksdorf und den Walddörfern vertraut machen musste. Bei Bedarf gab es tägliche Abstimmungen.

Eines Tages, das Feinplanum für die Gartengestaltung und die erste Rasensaat waren gerade erfolgt, setzte am Nachmittag, wie man heute sagt, ein Starkregen ein, früher wurde solcher Regen als „Wolkenbruch“ bezeichnet. Es regnete, was vom Himmel herunter wollte – wir sehnten das Ende des Regens herbei! Damals gab es im Wohnpark für solche Ereignisse noch keine Geräte. Die Wasserflut drohte über die Fensterbrüstungen in das schon hergerichtete Bewegungsbad einzudringen. Schließlich war ich herangeholt worden und entschied spontan, die Feuerwache Sasel, zu der wir immer einen engen und guten „Draht“ hatten, um Hilfe zu bitten. Wenige Minuten nach unserem Hilferuf rückten sie mit einem entsprechenden Rüstwagen an, im Nu waren zwei starke Motorpumpen ausgebracht, die das Wasser absaugten und in die bereits funktionsfähige Straßenentwässerung ableiteten.

Während der letzten Ausbauphase begann nun auch die Werbung für Volksdorfs neuen „Wohnpark am Wiesenkamp“ Der erste Rentaco-Werbeprospekt zeigte auf der Umschlagseite, eine Abbildung der St. Michaeliskirche, dem Wahrzeichen Hamburgs, zu dem das Mutterhaus seit Beginn seiner Tätigkeit beim Aufbau der Gemeindepflege seine erste Diakonisse zum Dienst in den Gängevierteln rund um die Kirche ausgesandt hatte. Diakonisse Olga Brösen. Auf das von Rentaco entworfenen Emblem wies der Satz hin „Das Zeichen, das Zeichen setzt für Ihr Wohnen im Alter“.

Vier Stichworte waren kennzeichnend für die Vorstellungen der Betreiber für die Betreuung und Pflege der zukünftigen Bewohner mit ihren Bedürfnissen im Alter:
- selbstständig bleiben
- gepflegt wohnen
- individuell leben
- geborgen sein

Diese Stichworte sollten erklären, was zukünftige Bewohnerinnen und Bewohner erwarten könnten. Gleichzeitig erklärten sie, das von den Initiatoren, dem Eigentümer und den Betreibern entwickelte Wohn- und Betreuungskonzept. Zu jedem dieser Stichworte gab es kurzgefasste Erklärungen.

Selbstständig leben
Der Wohnpark am Wiesenkamp liegt inmitten der Hamburger Walddörfer mit viel Grün bis in den Ortskern hinein, mit Spazierwegen zu den nahegelegenen Landschaftsschutz-gebieten. Auf die Annehmlichkeiten der Großstadt müssen die Bewohner trotzdem nicht verzichten, da die in unmittelbarer Nähe gelegene U-Bahn-Station Meiendorfer Weg mit der U1 direkt in die Hamburger Innenstadt führt Im Wohnpark selbst stehen ein Restaurant , ein Musikcafé mit Kaffeegarten, eine Bibliothek, Hobbyraum, Sauna, Gymnastikraum, Therapieräume und Bewegungsbad zur Verfügung.

Gepflegt wohnen
Interessenten können aus 248 Wohneinheiten in Größen zwischen 33 und 76 qm in 1, 1,5. 2 und 3 Zimmerwohnungen auswählen. Die Wohnungen sind mit Duschbad, WC, Küche bzw. Küchenzeile, Parkettfußböden und einem Balkon ausgestattet. Abstellmöglichkeiten sind im Kellergeschoß vorhanden. Die Bewohner können sowohl ihr eigenes, ungebundenes Leben führen als auch am gesellschaftlichen Leben des Hauses teilnehmen. Alle Einrichtungen des Wohnparks berücksichtigen in vorbildlicher Weise die Wünsche älterer Menschen nach Sicherheit und Komfort.

Individuell leben
Der Kirchliche Verein für weibliche Diakonie in Hamburg e. V. und die Rentaco Unternehmensgruppe Berlin, sind Partner und Gesellschafter des Wohnparks am Wiesenkamp Die Wohnpark am Wiesenkamp gGmbH ist Mitglied des Diakonischen Werks. Die Gesellschafter haben ein Konzept entwickelt, das den Bewohnerinnen und Bewohnern ein Höchstmaß an Selbständigkeit , zugleich Geborgenheit und sicheres Wohnen im Alter gewährt Bauherr des Wohnparks ist die Hamburg Mannheimer Versicherung, eine der größten deutschen Lebensversichrungen.

Geborgen sein
Jede Wohnung ist in sich abgeschlossen, und damit sich niemand von lieb gewordenen Dingen trennen muss, kann jeder Bewohner seine Wohnung nach seinen individuellen Vorstellungen einrichten. Es ist auch möglich Haustiere zu halten. Eine beispielhafte Aufzählung der Angebote und Dienstleistungen schloss die Darstellung der Wohn- und Betreuungsmöglichkeiten ab.

wiesenkamp 02 16Abb. links: Das 1949 erbaute Schwesternhaus, lange Zeit Ausbildungsstätte für klinische Seelsorge, zuletzt Olga Brösen-Haus

Am Freitag, dem 8. Oktober 1993 wurde der Wohnpark m Wiesenkamp offiziell seiner Bestimmung übergeben. Fast 300 Besucher waren unserer Einladung zu dieser festlichen Einweihung gefolgt. Neben den schon sehr zahlreich vertretenen Bewohnern des Wohnparks waren Vertreter vieler Behörden und Institutionen sowie der am Bau beteiligten Firmen anwesend. Rentaco war mit einem Extra Bus in Form eines Betriebsausfluges nach Volksdorf angereist.

Die Landschaftsgärtner hatten die Flächen hübsch dekoriert, so dass sich den Besuchern ein ansprechendes und prächtiges Bild bot. Die inzwischen weit über Hamburg hinaus bekannten Stadtmusikatzen spielten zum Auftakt flotte Weisen und waren mit ihren Kostümen in der Eingangshalle ein echter Blickfang. In den Ansprachen der Festredner, moderiert vom Rentaco Vorstand Dr. Löhning. wurden noch einmal die Ideen deutlich, die zu diesem Bauvorhaben geführt haben.

Für die Hamburg Mannheimer Versicherungsgesellschaft betonte Herr Melsheimer als Vorstandsmitglied, dass sich das Unternehmen mit diesem Schritt erstmals in den Investitionsbereich der Seniorenwohnanlagen hinein begibt. Ich selbst knüpfte an die Tradition und Erfahrungen des Mutterhauses in der Pflege und Betreuung alter und betagter Menschen an. Pastor Haasler als Vorstandsvorsitzender des Kirchlichen Vereins trug eine Collage ermutigender Bibelworte zu Hausbau, Haussegen und Haushalterschaft vor.- Als Vorsitzender der Rentaco AG fasste Günter Hartwig alle Bemühungen und Leistungen am gemeinsamen Werk bis zu diesem Tag zusammen und wünschte Glück und Erfolg für die Zukunft. Dann lud er zum genussreichen von der Küche des Wohnparks gestalteten Büffet ein, das mit Liebe und Fantasie vorbereitet war und großen Zuspruch fand. Melodien der Hamburger Stadtmusikatzen ließen unser Fest fröhlich ausklingen

Tempora mutantur! Die Zeiten ändern sich und wir mit ihnen! 1998 endete meine Zeit im Kuratorium der Residenz am Wiesenkamp. Aus den hoffnungsvollen Anfängen der Rentaco, des Kirchlichen Vereins und des Eigentümers ist im Verlauf der ersten Jahre aus Nähe Distanz geworden. Die Berliner Betreiber hatten mit den Geschäftsführern kein Glück. Hinzu kamen zwei bedeutsame andere Ursachen für die deutlicher werdende Distanz. Rentaco hatte sich mit der Entwicklung weiterer Wohnparks an verschiedenen Standorten der Bundesrepublik unternehmerisch offenbar viel zugemutet. Bis zum break even point, dem Erreichen einer ausgeglichenen Kosten /Ertragsrechnung vergeht eben immer eine geraume Weile. Diese Tatsache war vernachlässigt worden. Der spätere Vorstand des Kirchlichen Vereins verstand es nicht, den sich wandelnden unternehmerischen und betriebswirtschaftlichen Erfordernissen und Verhältnissen rechtzeitig und angemessen anzupassen und zu öffnen. Die Folge war, dass beide Betreiber vom Markt gingen, der Kirchliche Verein wurde bald darauf aus dem Vereinsregister gestrichen.

Von 1961 bis zu meinem Ruhestand 1995/96 war ich für die betriebswirtschaftliche und kaufmännische Leitung der verschiedenen Unternehmen des Kirchlichen Vereins und des Ev. Amalie Sieveking-Krankenhauses verantwortlich. Während dieser langen Leitungstätigkeit gab es ständig externe und interne Schwierigkeiten, meist hervorgerufen durch verfehlte politische Entscheidungen und Vorgaben für die unterschiedlichen „Teilmärkte“, die zu ständig wechselnden Wettbewerbssituationen führten.

Intern führte dies jeweils zu Anpassungen der Betriebsprozesse, die einer fortwährend wachsenden Anzahl von Mitarbeitern verschiedener Berufsgruppen zu erklären und zu begründen waren. Trotzdem gelang es fast immer in den unterschiedlichen Teilbetrieben Betriebsüberschüsse zu erzielen - die vorgelegten Bilanzen haben es ausgewiesen.

Seit etwa zehn Jahren hat das Albertinen-Diakoniewerk, wie man heute sagt, das „Management“ der Betriebsgesellschaft als „Retter in der Not“ übernommen. Dies traf auch für alle vom Kirchlichen Verein vorher betriebenen Einrichtungen ein.

Ich danke dem Vorstand des Albertinen-Diakoniewerks als einer, der bis zu seinem Ruhestand 1995 sowohl für den Kirchlichen Verein und auch für das Evangelische Amalie Sieveking-Krankenhaus die kaufmännische Betriebsführung verantwortlich zu gestalten und zu überwachen hatte. Gleichzeitig wünsche ich dem Vorstand, der Hauptgeschäftsführung und den Geschäftsführern anlässlich des 20. Jubiläums des Wohnparks am Wiesenkamp für die Entwicklung und Fortführung der Volksdorfer, aber auch der Schnelsener Unternehmen Glück und Erfolg.

Der Vorstand des Albertinen Diakoniewerks sollte mit „einfühlendem Verstand und denkenden Herzen“ auch unter weiterhin schwierigen Wettbewerbsbedingungen Bedacht darauf nehmen, dass die über Jahrzehnte gewachsenen Volksdorfer Traditionen und das damit verbundene kirchliche Gepräge und Lebensgefühl nicht verschüttet werden. Ökumenische - erfolgreiche Partnerschaft - erfordert in unserer Zeit, und auch für die Zukunft, dass nicht nur Albertine Assor in Hamburg ihren gebührenden Platz findet, sondern auch, dass das Gedächtnis an die Gründer der diakonischen Arbeit und Einrichtungen in Volksdorf und an Amalie Sieveking deutlich bleibt und bewahrt wird!

Danksagung

Norbert Götze, meinem bewährten Mitarbeiter des technischen Dienstes danke ich für eigene Fotobeiträge. Ihm und Reimer Oberböster gilt mein Dank auch für die Beschaffung von Fotoserien aus dem Archiv des Diakonissenmutterhauses Volksdorf. Ines Burmeister habe ich zu danken für ihre Unterstützung und Hilfe bei der Überarbeitung meines Berichtes und bei der Zuordnung der Bildfolgen.

Horst Franke
Quelle: Jubiläumsschrift Residenz am Wiesenkamp 2013

 

Zur Zeit bis zum Bau der Residenz gibt es einen Aufsatz von Heinz Waldschläger ...

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