Die Volksdorfer Schulkate von 1752

  schulkate 01 karen wolfson

Um 1750 fand der Unterricht für die wenigen Bauernkinder in den Dörfern der hamburgischen Walddörfer wie auch sonst überall im ländlichen Raum im Hause des Schusters oder Schneiders statt. Doch der Volksdorfer Schuster Herr Kohmann war alt geworden. Man brauchte einen neuen Schulmeister - und damit auch gleich eine neue Schule.

Zu Anfang des Jahres 1752 war der Hamburger Kaufmann und Senator Boetefeur zum Waldherren, dem für die hamburgischen Walddörfer zuständigen Senator der Geestlande, ernannt worden. Mit seiner Hilfe und seinem Geld wurde ein Schulbau in Volksdorf möglich und bereits noch im selben Jahr oben auf dem heutigen "Kirchberg" errichtet , einem von zwei eiszeitlichen Sandhügeln (nach Errichtung der Schulkate bis zum Bau der Rockenhofkirche 1953 "Schulberg" genannt; der zweite Sandberg in Volksdorf wurde 1912 als Grundlage für den U-Bahnhof umgestaltet). Diese neue Schule wurde noch ganz in der Tradition eines bäuerlichen, strohgedeckten Fachwerkhauses als niederdeutsches Zweiständer-Fachhallenhaus erbaut. Im Wohnteil, dem Kammerfach, befanden sich statt der sonst üblichen Wohnstuben zwei Schulstuben. Im hinteren Teil des Hauses mit Flett und Groot Deel konnte der Schulmeister in einfachstem Stil bäuerlich wirtschaften.

schulkate 02 karen wolfsonBei der Landzuteilung im Rahmen der Verkoppelung 1799 wurde der Lehrer wirtschaftlich besser gestellt. Jetzt erhielt er 78 Quadratruten (eine Quadratrute in Hamburg entspricht 21,846 m², 78 Quadratruten sind folglich ca. 1700 m²) Gartenland zur persönlichen Nutzung. Das entsprach dem Besitz einer Brinksitzerstelle (Helfer auf einem Bauernhof mit eigenem Haus und etwas Land).

Im Jahr 1828 war die Schulkate baufällig geworden. Da die Schule mit den zwei Klassenräumen ohnehin für die größer gewordene Schar von Schülern zu klein geworden war, entschloss man sich zu einem Neubau. Die Kate von 1752 wurde auf Abbruch verkauft. Der Ohlstedter Vollhufner (Bauer mit einem großen, vollwertigen Hof, im Gegensatz zum Halbhufner und Brinksitzer) Cord Hinrich Bock fand sich als Käufer. Er kaufte die Kate am 20.7.1830, brachte das Abbruchmaterial nach Ohlstedt und baute die Kate an der Alten Dorfstraße 23 wieder auf. Eine wechselvolle Geschichte begann. Sie ist nur in Teilen bekannt. So ist leider unbekannt, wann die Kate um ein Fach mit dem Schaugiebel (Vollgiebel am Wirtschaftsteil, statt Krüppelwalm) verlängert wurde. Die geänderte Konstruktion ist im Dachraum heute noch erkennbar!

schulkate 03Rechtzeitig erfuhr eine Initiativgruppe von dem geplanten, endgültigen Abriss der Kate. Sie organisierte die fachmännische Abtragung und Einlagerung. Insgesamt fanden sich 42 freiwillige Helfer, die bei den Arbeiten stunden- oder tageweise mit Hand anlegten! In nur zwei Wochen und drei Wochenenden war die Arbeit geschafft. Dann kamen Zimmerleute und ein Kran, um das inzwischen nummerierte Fachwerkgerüst vorsichtig auseinanderzunehmen und einzulagern.

Die Suche nach einem geeigneten Standort für den Wiederaufbau zog sich sechs Jahre hin. Glücklicherweise konnte das Material in der Zwischenzeit bei den hamburgischen Gutshöfen Wulfsdorf und Wulksfelde sowie beim Amalie-Sieveking-Krankenhaus eingelagert werden. 1986 wurde der "Verein zur Erhaltung der ehemaligen Volksdorfer Schulkate von 1752 e.V." gegründet (heute "Verein Schulkate Volksdorf e.V."), um mit der Liegenschaft der Stadt Hamburg über den Erwerb eines Grundstücks verhandeln zu können.

Bei heftigem Regen im April 1989 konnte endlich der Baubeginn unter der Leitung des Volksdorfer Architekten Dietrich Raeck stattfinden: die riesigen Balken wurden in Wulksfelde per Hand auf einen alten Laster aufgeladen und nach Volksdorf transportiert. Den Wiederaufbau des Original-Fachwerks übernahm der Fachwerk-Restaurator Bodo Vogel. Nur wenige Ergänzungen und Ausbesserungen waren notwendig. Die Hölzer befanden sich in einem gutem Zustand. Drei Eichen ließ der Förster Bergner für die Schulkate am Bocksberg fällen. Sie wurden in dem Sägewerk Peemöller in Ahrensburg-Tiergarten auf Maß zugeschnitten. Die Original-Ziegelsteine wurden per Menschenkette von Mitgliedern des NABU, Ortsgruppe Walddörfer, am Amalie-Sieveking-Krankenhaus auf ein Treckergespann des letzten Volksdorfer Bauern, Claus Ferck VI , auf- und an der Baustelle wieder abgeladen. Dort sind sie heute noch sichtbar! Außen mussten neue Steine verwendet werden. Die Natursteine unter den Schwellen stammen vom Ausgrabungsgelände am Domgelände in Hamburg bei St.Petri und von den Knicks am Stauteich der Lottbek; die der Pflasterungen von den Feldern an den Bocksbergen.
Am 30.6.1989 wurde das Richtfest mit Grundsteinlegung begangen, am 1.3.1990 eröffnete ein Bier-Restaurant und im November wurden im Dachgeschoss die Räume des Vereins mit einem einwöchigen Programm eingeweiht.

Text: Dietrich Raeck
Quellen: Waldhorn 2/83 Mitteilungsblatt des Bürgervereins Walddörfer e.V. und eigenes Wissen.

 

  • parkresidenz_alstertal.jpg
  • malschule-volksdorf.jpg
  • v-behr.jpg
  • kkw.jpg
  • vj.jpg
  • club65.jpg
  • spieker.jpg

sooo-gross-450x250

  • denkendenken-330x238.jpg
  • ctis.jpg
  • kunstkate.jpg
  • plattdeutsche_kulturtage.jpg
  • waldgeist.jpg
  • albertinen-330x230-90.jpg
  • begegnungsstaette_bergstedt.jpg

vj seite 1

Zum Seitenanfang