Die Haselhorst

  Volksdorf, die Haselhorst und die U-Bahn-Haltestelle am Meiendorfer Weg
  Ein Beitrag von Heiz Waldschläger ...

01-03 
Kleinbahn 1904

Zu den hübschesten Streckenabschnitten der U-Bahn gehört zweifelsfrei die Fahrt durch die Haselhorst. Es handelt sich um das zwischen der Oberförsterei und der Eulenkrugstraße gelegene Waldstück. Um diese Bahntrasse durch den Wald war ein heftiger Meinungsstreit zwischen den Naturliebhabern und den Großgrundbesitzern entbrannt und hatte die Volksdorfer in zwei Lager gespalten. Mit der heutigen Terminologie ausgedrückt haben sich schon vor nunmehr fast 90 Jahren die Vertreter von Ökologie und die der Ökonomie gegenübergestanden.

Seit Februar 1911 war die vorgesehene Bahnstrecke im Gelände abgesteckt, sodass die Bevölkerung erahnen konnte, wie der Bahnbau das Ortsbild und die Landschaft verändern wird. Überraschenderweise waren keine Pflöcke entlang der Farmsener Landstraße neben dem Kleinbahngleis, sondern durch die Haselhorst gesetzt worden. Vermutlich hatten die ansässigen Villenbewohner und die spekulierenden Grundstücksaufkäufer in vertraulichen Gesprächen mit maßgebenden Senatsmitgliedern die Trassenverlegung erreicht. Die Naturfreunde empörten sich und wurden ihrerseits aktiv.
Auf einer vom Bürgerverein gemeinsam mit dem Heimatschutzverein ins Gasthaus "Waldesruh" am Mellenbergweg einberufenen Versammlung sprach sich eine überwältigende Mehrheit dafür aus, den Wald unangetastet zu lassen. Nach einhelliger Meinung sollte "Volksdorf nicht nur als Wohnort für wenige Hamburger aufblühen, sondern als Erholungsort und Ausflugsziel den Stadtbewohnern und als Sonntagslunge der Großstadt erhalten bleiben". Dieses Votum dürfte die Senatskommission beeindruckt haben; jedenfalls kehrte diese zur Erstplanung zurück.
 
01-01
Mellenberg 1901

Nach der Senatsvorlage sollten beide Bahnen, die Klein- und die Walddörferbahn, "um eine Durchschneidung des Volksdorfer Waldes zu vermeiden, auf der am Waldrand entlang führenden (Farmsener) Landstraße verlegt werden, dieselbe aber unter Inanspruchnahme der angrenzenden Privatgrundflächen seitlich verschoben werden".

Diese Planvorgabe wäre sicherlich verwirklicht worden, wenn nicht der Gemeindevorsteher Mahr, nachdem ihm diese abermalige Trassenverlegung bekannt geworden war, kurzfristig zu einer "öffentlichen Versammlung" aufgerufen hätte, "um noch einmal über die Ausführungsbestimmungen der hamburgischen Walddörferbahn zu beraten".

01-02Stand doch in wenigen Tagen die entscheidende Februar-Sitzung des Parlaments an. Das erhebliche Interesse an dem Verlauf der Bahnlinie wurde "durch die Anwesenheit zahlreicher Hamburger und außerhalb Volksdorfs wohnender Personen zum Ausdruck gebracht".

Nach lebhafter kontroverser Diskussion durften von den über 100 Anwesenden nur die einheimischen Bewohner über die beiden Alternativen abstimmen. "Hierbei zeigte sich, dass 28 Stimmen für die Führung der Linie außerhalb des Waldes, während 38 Stimmen dafür waren, die Bahnlinie durch den Wald zu legen". In gleicher Weise entschieden sich wenige Tage darauf auch die Gemeindevertreter mit 12 gegen 5 Stimmen. Trotz einer eiligst nachgeschobenen Eingabe, mit der der Bürgerverein "Eine hohe Bürgerschaft" noch "in letzter Stunde" darum gebeten hatte, "für die Erhaltung der Haselhorst einzutreten", entschieden sich deren Mitglieder für die Waldquerung. Nach übereinstimmenden Presseberichten haben sich die Volksvertreter "von zwei unausbleiblichen Übeln für das kleinere ausgesprochen, das den Schönheitssinn der Waldfreunde nicht beleidigt und die ländliche Ruhe der Anlieger nicht stört".

Oberförsterei 1905


Auf das für die seinerzeitigen Interessenvertreter unrühmliche Kapitel der beiderseitigen Anschuldigungen und Verdächtigungen will ich nicht eingehen, wohl aber die angeführten Argumente gegenüberstellen.

Die einen wollten im Allgemeininteresse die Haselhorst mit den etwa 130 Jahre alten Buchen geschont wissen und befürchteten, dass der Kahlschlag für die Bahnschneise weitere Waldschäden durch Windbruch und Sonnenbrand bewirken werde. Die anderen wollten vorgegebenermaßen, dass die Farmsener Landstraße als repräsentative Ortseinfahrt mit den vielen schützenswerten Eichen auf dem linksseitigen Knick und mit dem an der Schemmannstraße im Jahre 1731 aufgeforsteten Waldstück "Eckerkoppel" einschließlich der markanten "Baumgruppe Sieben Buchen" erhalten bleibt.

 

01-04   01-05


Ein zweites, nicht ganz so emotional diskutiertes Thema beschäftigte die Volksdorfer sodann. Es handelte sich um die Haltestelle "Volksdorf-Süd". Die Senatskommission hatte, jedenfalls zunächst, keine Bahnstation zwischen Berne und Volksdorf vorgesehen. Man wollte eine alsbaldige Besiedelung der nahe gelegenen preußischen Gemeinde Meiendorf hinausschieben. Für spätere Zeiten sollte allerdings ein Platz in den "Hamburger Tannen" am Weg Nr. 7 (= Meiendorfer Weg) freigehalten werden. Es setzen sich jedoch der Gemeindevorstand und in Sonderheit der Bürgerverein für eine sofortige zu errichtende Bahnstation in der Haselhorst gegenüber vom Diekkamp ein. Gegen diese Initiative wandten sich, wie könnte es anders sein, die Grundeigentümer um den Wiesenkamp, und zwar schon damals mit einer Unterschriftenliste.

01-06Die Anwohner vom Diekkamp haben zwar keine Haltestelle, wohl aber eine Untertunnelung des Bahndamms bekommen, damit sie weiterhin ohne Umwege ihre Einkäufe beim Schlachter am Meilen-bergweg tätigen konnten. Der Bahnhof Meiendorfer Weg ist übrigens erst im April 1925 in Betrieb genommen worden. Abschließend möchte ich darauf aufmerksam machen, dass die Bauleitung die Bahntrasse durch die Haselhorst sehr behutsam angelegt hat. Es sind im Bahndamm mehrere alte Buchen, um die man eine schützende Steinnische gebaut hat, bis heute erhalten geblieben.

01-07

 

 

 

Heinz Waldschläger

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