Die Geschichte der Försterei

  Ein Beitrag von Heiz Waldschläger ...

 

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Das Grundstück der Försterei an der Farmsener Landstraße
Seit 1725 hat es einen in Volksdorf ansässigen Waldaufseher gegeben. Diese städtischen Bediensteten hießen Waldreiter und wurden von der Bevölkerung oftmals auch Holzreiter genannt. Ab 1828 erhielten sie die Berufsbezeichnung Holzvogt und 1847 verlieh der Senat ihnen den Titel Förster.

Die mit einem Pferd ausgestatteten Waldreiter unterstanden dem für die Walddörfer zuständigen Senator, dem Waldherrn, und sie mussten die Anweisungen des in Wohldorf wohnenden Waldvogts befolgen. Dieser hatte "auf das Betragen der WaldReuter und deren Leben und Wandel Acht zu geben, bevorab auf die ihnen besonders angewiesene Pflicht, der HoltzDiebereien zu wehren, jederzeit aufmerksam sich zu bezeigen, auch deren etwaigen Säumigkeiten, Vergehungen und Verbrechen dem Waldherrn unverweilt zu melden, ihnen aber auch hingegen in ihren Verrichtungen bestmöglich zu Hülfe zu kommen."

Zur Entlastung des Waldherrn in Angelegenheiten der Finanzen und der Forstwirtschaft, der wichtigsten Einnahmequelle in den Walddörfern, gab es die von der Kämmerei berufenen Walddeputierten.

Die ersten hiesigen Waldreiter stammten aus den Walddörfern und hatten folglich eine eigene Wohnung. Als man jedoch ab 1764 dazu übergegangen war, auswärtige Männer mit Jagderfahrung einzustellen, musste die Stadt ihnen eine Unterkunft für ihre Familien beschaffen. Es kann nicht präzise gesagt werden, wann solches geschehen ist.

Des "Holtzreiters Wohnung"
Das älteste Forsthaus in Volksdorf ist erstmals in der von Reinke angefertigten Verkopplungskarte von 1782/83 eingetragen und ist in der wenige Jahre später erstellten "Charte von Volcksdorff" als des "Holtzreiters Wohnung" ausgewiesen.

1011-01-500Es hat sich allerdings nicht nur um eine Wohnunterkunft, sondern um ein Haus gehandelt. Denn es mussten auch das Dienstpferd und die Futtervorräte sowie die Erzeugnisse aus dem Kohlhof (Hausgarten) und den zugehörigen Ländereien untergebracht werden. Das mit seiner Schmalseite zur Landstraße nach Farmsen errichtete Gebäude dürfte also ein reetgedecktes Haus geringerer Größe, und in der damals üblichen Bauweise gewesen sein, und zwar mit einem bescheidenen Wohntrakt, einer Diele, den Stallungen und dem Heuboden. Sicherlich hat die Hausfrau noch auf der offenen Feuerstelle kochen müssen. Der Rauchabzug erfolgte jedoch schon über einen Schornstein, den der Waldreiter Kämmerer (1767-1778) nach einem erhalten gebliebenen Vermerk "entgegen der vorgegebenen Erlaubniß über das Dach hat verlängern lassen".

 

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In dem Forsthaus hat 1797 der Waldherr mit den hartnäckigen Hufnern und Brinksitzern aus Volksdorf einmal mehr vergebens über die Landreform, die sog. Verkoppelung, verhandelt. Es ging also um die Beendigung der Dreifelderwirtschaft durch die Auflösung der Feldgemeinschaften und die Zusammenlegung sämtlicher Flurstücke einerseits und andererseits um die Eigentumsübertragung der Acker-, Wiesen- und Ödflächen an die einzelnen Landwirte. Diese lehnten aber die beabsichtigte Verstaatlichung der Wälder wegen des vorgesehenen Fortfalls der jährlichen Eichelmast strikt ab und wehrten sich gegen die ihnen nicht mehr zugebilligte und nur noch den Insten (Einwohner ohne Landbesitz) vorbehaltene Viehtrift. Man verhandelte sieben Jahre lang, sodass erst ab 1800 mit den Vorarbeiten zur Landaufteilung hatte begonnen werden können.

Aus den Kämmerei-Protokollen von 1830/31 geht hervor, dass es im Forsthaus bislang an ausreichenden Räumen für eine größere Familie gefehlt hatte. Die diesbezügliche Eintragung lautet: "Ich (der Walddeputierte) traf auf den Taxator der Wohnung des Waldreiters in Volksdorf und trug ihm die von diesem gewünschte Errichtung eines Zimmers auf dem Dachboden vor."

Im Jahre 1842 ist das Forsthaus durch einen Neubau ersetzt worden.

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Das Forsthaus von 1842
Wie bei dem alten, so gibt es auch über das im Jahre des großen Hamburger Brandes fertig gestellte neue Forsthaus keine Bauunterlagen. Es sind jedoch zwei Fotografien aus dem Jahre 1902 vorhanden.
Es hat sich zwar um einen den Bauernhäusern ähnlichen reetgedeckten Fachwerkbau mit Tenne und Stallungen gehandelt, jedoch abweichend von der überkommenen Bauweise mit einem voll unterkellerten zweigeschossigen Küchen- und Wohntrakt. Der Vorbau und die Verschalung der seitlichen Außenwand sind vermutlich erst nachträglich dazu gekommen.

Das Forsthaus hat längsseits und nahe an der Landstraße gestanden und ist innerhalb von nur 60 Jahren in einem derart schlechten baulichen Zustand gewesen, dass sich der Senat für einen Abriss entschieden hat. In dem von der Baudeputation vorgelegten Bericht vom 6. Mai 1903 heißt es:
"Das in dürftigster Art und Weise in ausgemauertem Fachwerk erbaute Forsthaus ist baufällig. Zu diesem Umstand hat die mangelhafte Konstruktion des gesamten Baukörpers, insonderheit des Daches beigetragen, da die Sparren 2,80m von Mitte zu Mitte entfernt liegen, ebenso die Balken über der Scheunendiele, möglicherweise auch über dem Wohnzwecken dienenden Teil; hier ist die Konstruktion wegen der Fußböden und Deckenbildung nicht sichtbar. Die Einlattung des Daches durch ungenügend starke Lattenschwarten hat sich unter der Last der Reeteindeckung stark durchgebogen und dieser Umstand deformierend auf das Gebäude gewirkt, so daß namentlich im oberen Stockwerk Risse und Sprünge entstanden sind."

 

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An anderer Stelle wird ausgeführt:

"Da in der Regel im Frühjahr jeden Jahres Druckwasser in den Keller des Hauses eintritt, so ist es erforderlich, den Boden unter dem Keller und an den äußeren Seiten der Kellermauern auszuheben, die Mauern zu unterfangen und auf einer Lehmschicht eine Dichtung aus Zementbeton mit Eiseneinlagen herzustellen. Ebenso sind die Kellermauern mit dichtem Zementputz zu versehen."

Aus folgenden Gründen haben sich der Senat und die Bürgerschaft gegen eine Renovierung des Forsthauses entschieden:

"Das im Jahre 1842 erbaute Forsthaus in Volksdorf ist im hohen Grade baufällig; insbesondere bedarf das Dach der Erneuerung. Die Kosten einer gründlichen Reparatur des alten Gebäudes sind von der Baudeputation auf M 8 400 veranschlagt. Dazu wird bemerkt, daß schwer zu übersehen sei, ob sich bei Beginn des Umbaues nicht noch umfangreichere Arbeiten, als jetzt vorgesehen, als erforderlich herausstellen werden, und ob nicht trotz des jetzt vorzunehmenden Umbaues bald wiederum erhebliche Kosten für die Unterhaltung des Gebäudes aufzuwenden sein werden. Unter diesen Umständen empfiehlt die Baudeputation von dem Umbau abzusehen. Mit diesem Vorschlage hat sich die Finanzdeputation umso mehr einverstanden erklärt, als das vorhandene Gebäude mit der großen Scheunendiele und den daneben liegenden Ställen für einen mit der Försterei verbundenen landwirtschaftlichen Betrieb berechnet ist, welcher tatsächlich schon seit längerer Zeit nicht mehr existiert. Zur Zeit ist das Dienstland des Oberförsters verpachtet... Es wäre sehr unzweckmäßig, wenn man jetzt mit erheblichem Kostenaufwande den gar nicht mehr zu benutzenden Teil des Gebäudes mit einem neuen Dach versehen würde."

In das damals neue Forsthaus ist der ehemalige Waldreiter und im Jahre 1839 zum Förster ernannte Hermann Friedrich Grube mit Familie eingezogen. Er war zuletzt für sämtliche Forstangelegenheiten in den Geest - und Marschlanden verantwortlich. Sein anfänglich jährlicher Arbeitslohn ist von 300,- auf 750,- Mark Courant erhöht worden. Seine letzten Lebensjahre waren von einer so schweren Krankheit überschattet, dass die hohen Arzt- und Medizinkosten ihn vermögenslos gemacht haben. Seine Witwe erhielt auf ihre Bitte ein Treuegeld in Höhe eines Jahresgehalts ausbezahlt und brauchte die Wohnung erst nach einem Jahr zu räumen.

 

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Der Ausschnitt aus der Verkoppelungskarte von 1848 zeigt das derzeitige
Försterei-Grundstück mit den Gebäuden und der Gartenanlage un die mit "u"
gekennzeichneten landwirtschaftlich genutzten Acker- und Wiesenflächen

Das Forstgrundstück

Die neue Volksdorfer Oberförsterei

Der erste der Finanzdeputation 1902 vorgelegte Plan für ein neues Dienstgebäude, der von dem Volksdorfer Maurermeister Ehrich stammte, fand keine Zustimmung, "weil einmal für ein ländlich-idyllisch belegenes Forsthaus der in dem Entwurf zum Ausdruck kommende städtische Villenstil nicht passe und ferner, weil der Bau in der projektierten Größe, wenn auch den Ansprüchen des jetzigen Oberförsters, aber jedenfalls denen eines Nachfolgers mit größerer Familie kaum genüge."

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Es wurde Baudirektor Zimmermann, der Leiter des Hochbauwesens ersucht, seinerseits zu berichten. Dieser legte einen neuen Bauplan vor und führte dazu aus:
"Das Gebäude enthält im Erdgeschoß neben dem Haupteingang die unmittelbar zugängliche Schreibstube, ferner ein Esszimmer, zwei Wohnzimmer und eine Küche von größeren Abmessungen, da in derselben auch das Futter für Schweine und Hühner gekocht werden muss.

In dem Obergeschoß, welches bei der Größe der bebauten Fläche als ausgebautes Dachgeschoss hergestellt werden konnte, befinden sich noch 3 Zimmer und 2 Kammern. Der darüber befindliche Dachraum soll zunächst in ganzer Ausdehnung als Trockenspeicher, Futterboden u.s.w. verwendet werden, kann jedoch zum Teil auch noch erforderlichen Falls zu Wohnzwecken ausgebaut werden.

Das Erdgeschoß hat durchweg massive Mauern, das Obergeschoß ist in Fachwerk gedacht, welches zur Vermeidung von Wärmeverlusten noch eine Hintermauerung mit dazwischen liegender Luftschicht erhalten soll. Für die Eindeckung des Daches sind rote holländische Pfannen vorgesehen.

Bei der Entwerfung des Gebäudes war der Gedanke leitend, einerseits den berechtigten Wünschen des Wohnungsinhabers möglichst weitgehend Rechnung zu tragen, gleichzeitig jedoch auch den ganzen Bau der ländlischen Umgebung anzupassen. Es wurde daher der äußere Aufbau im Charakter des niedersächsischen Bauernhauses gehalten. In gleicher Weise wird der innere Ausbau erfolgen."

Die Wohnfläche ist gegenüber dem Erstentwurf von 141 auf 167 qm erhöht und die Baukosten sind mit 21.500 Mark abzüglich der brauchbaren Materialien aus dem abzubrechenden Gebäude errechnet worden. Das Gebäude ist 1997 unter Denkmalschutz gestellt worden.

Vater und Sohn Leopoldt

Nach dem Tode von Förster Grube trat der 26-jährige Carl Hermann Philipp Leopoldt 1864 als Förster in den hamburgischen Staatsdienst und betreute zunächst, wie sein Vorgänger, die zur Landherrenschaft der Geestlande gehörende Wälder. Aber schon vier Jahre später, nachdem Hamburg von Lübeck dessen halben Anteil an dem seit 1420 beiderstädtischem Amt Bergedorf gekauft hatte, wurde die dortige für Bergedorf und Geesthacht zuständige Forstdienststelle aufgelöst und deren Aufgaben dem Volksdorfer Förster übertragen.

Das dem Förster Leopoldt zuerkannte Jahresgehalt betrug anfangs 1.400 Mar Courant, wurde nach der 1873 vollzogenen einheitlichen deutschen Währung auf 3.000 Mark umgestellt und anlässlich seines 25jährigen Dienstjubiläums vom Senat unter Anerkennung seiner "stets tadellosen Amtsausübung" auf 3.600 Mark erhöht.

Aufgrund seiner 1897 erfolgten Beförderung zum Oberförster bekam er während seiner letzten Dienstjahre den Jahresbetrag von 5.500 Mark ausbezahlt.

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Vater Leopoldt ist zusammen mit seinem Sohn, dem Forstassistenten Hans Hermann, und dessen Familie in das neue, 1905 fertig gestellte Forsthaus eingezogen.

Zu dieser Zeit ging es ihm gesundheitlich schon nicht mehr gut, er war auf die Mithilfe seines Sohnes angewiesen. Drei Jahre später hat er den Senat um seine Pensionierung gebeten.

In seinem Entlassungsgesuch vom 25. August 1908 heißt es unter anderem: "Dass der Unterzeichnete seinen, in fast 44-jähriger Dienstzeit lieb gewordenen und ans Herz gewachsenen Wirkungskreis nicht ohne zwingende Gründe verlässt, brauch ich wohl nicht zu versichern; aber die von Jahr zu Jahr zunehmenden Lungenbeschwerden, welche beiderseits bei rauer, windiger Witterung berufstörend wirkten, machten in Verbindung mit oft heftigen Anschwellungen der Krampfadern in beiden Oberschenkel es dem Unterzeichneten wochenlang im Winter und Frühjahr, wenn die wichtigsten Arbeiten vorlagen, unmöglich, seine amtlichen Funktionen so zu verrichten, wie er selbst es wollte und wünschte."

Die Entlassung verzögerte sich, weil Vater Leopoldt seinen 31 Jahre alten Sohn als Nachfolger vorgeschlagen hatte, sodass er erst zum 30. Juno 1909 mit 70 Jahren in den Ruhestand gehen konnte.

Im 1. Weltkrieg hat der Sohn es hinnehmen müssen, dass dem Wald mehr Holz als vertretbar entnommen worden ist. In Folge des Brennstoffmangels kehrte der Raubbau zurück. Die Beseitigung der kriegsbedingten Waldschäden, der Verfall der Holzpreise, die steigenden Löhne für die Waldarbeiter und die erhöhten Ausgaben für die Anlegung von Wanderwegen, führten letztlich dazu, dass die Stadt aus den einst ertragreichen Wäldern keine Überschüsse mehr erzielte. Und schließlich wurde der höchste hamburgische Forstbeamte, der zwischenzeitlich zum Forstmeister ernannte Hermann Leopoldt, in seinen Entscheidungen stark eingeengt. Denn nach der NS-Machtübernahme erhielt das Reichsforstamt, an dessen Spitze Hermann Göring stand, alle Weisungsbefugnisse für sämtliche deutsche Staatsforste.

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Der Forstmeister Leopoldt erledigte bis 1938, also bis zum Inkrafttreten des Groß-Hamburg-Gesetzes, im Volksdorfer Forsthaus seine Amtsgeschäfte. Fortan befand sich sein Büro in der Stadt. Außerdem bekam er durch die bislang preußischen Berufskollegen Konkurrenz, weil diese der Partei genehmer waren. Leopoldt wurde zunächst rüde behandelt und dann kaltgestellt. Ab 1941 schickte man ihn wiederholt in Sonderurlaub und verzichtete 1942 ganz auf seine Mitarbeit, er wurde zwangsweise in den Vorruhestand versetzt. Seine Wohnung in Volksdorf musste er für seinen Nachfolger räumen.

Heinz Waldschläger

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